Schnell mit Bus und Bahn / Pressebriefe in den Niederlanden

Von Ulrich Tatje

Wenn es beim Versenden von Briefen mal schnell gehen muss, waren in den Niederlanden Busse, Straßenbahnen und auch die Eisenbahn sehr hilfreich. Seit dem 1. April 1924 hatten die Niederländer die Möglichkeit, ihre Briefe (zunächst nur die Expressbriefe) mit Hilfe der Bahn schneller zum Ziel zu bringen. Die frankierten Briefe mussten am Gepäckschalter im Bahnhof abgegeben werden.  Dort bekamen sie eine Zugbriefmarke (Frankeerzegel, im Gegensatz zur Briefmarke, dem Postzegel) aufgeklebt, wurden dem nächsten Zug in die entsprechende Richtung mitgegeben und am Zielbahnhof wieder der Post zum Weitertransport übergeben.

Besonders eifrig nutzten die Zeitungsredaktionen diesen Dienst und vereinbarten obendrein, dass die mit dem Zug beförderten Umschläge am Zielbahnhof von einem Redaktionsboten abgeholt und von ihm in die Redaktion gebracht wurden.

Während die Zugbriefe auch von der allgemeinen Bevölkerung genutzt werden konnten, war die Bus- und Straßenbahnpost ausschließlich der Presse vorbehalten. Bereits in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann die Geschichte der „Buspost“, schreibt Peter Heck in einem Artikel zum Thema Bus- und Straßenbahnpost auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft Niederlande (www.arge-niederlande.de). Der Vorsitzende der Arge bezieht sich auf die Forschung von J.A.C van Rijswijk aus dem Jahr 1987 und hat neue Erkenntnisse hinzugefügt.  Die Pressesachen mussten durch ein Pressebüro versandt oder an eine Redaktion adressiert werden. Der Briefumschlag wurde dann dem Fahrer oder Schaffner übergeben und am Bestimmungsort – von einem Boten des Adressaten abgeholt. Die Umschläge durften nur Presseberichte oder -fotos enthalten.

Die Umschläge mussten das Wort „Persberichten“ tragen sowie den Bestimmungsort und die Haltestelle. Die Briefe wurden gemäß den Richtlinien der Post frankiert und trugen zusätzliche Gebührenmarken. Die Marken waren mit kreuzweisen Tintenstrichen zu entwerten. Obwohl die Post mit der Beförderung dieser Zeitungsbriefe nichts zu tun hatte, mussten die Briefe mit einer regulären Briefmarke portogerecht frankiert werden. Der Erlös der Zugbriefmarken floss der NS (Nederlandse Spoorwegen) zu. Die Beförderung der Pressebriefe war auf das jeweilige Geschäftsgebiet des Bus-, Straßenbahn- oder Bahnunternehmens beschränkt. Geregelt war alles in Art. 113 Ader PPT Gids 1 A.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde 1946 auf Bitten der Presse der Zugbriefdienst wieder zugelassen. Fünf Jahre später war der Service auch wieder der gesamten Bevölkerung zugänglich. Verschickt werden durften gewöhnliche Briefe, Expressbriefe (aber keine eingeschriebenen Sendungen), Drucksachen und Päckchen.

Die Pressebriefe wurden im Laufe der Jahre auffälliger. Wie dieser Zugbrief nach Eindhoven (Abb. 1), der mit 25 Cent frankiert war und zusätzlich 45 Cent Gebühr für die Bahnbeförderung kostete.

Vorgedruckt war auch der Umschlag an die Redaktion des Harlems Dagblad (Abb. 2). Er war mit 15 Cent und zusätzlich noch mit einem 25-Cent-Gebührenzettel des privaten Transportunternehmens N.Z.H.V.M. (Noord-Zuid-Hollandsche Vervoer Maatschapij) für die Strecke von Roelants-Schiedam frankiert.

Weitere private Busunternehmen boten den Schnelldienst an. Seit etwa 1952 beförderte beispielsweise die B.B.A. (Brabantse Buurtspoorwegen en Autodiensten, Breda) Pressebriefe. Ab etwa 1957 wurden diese Klebezettel (Abb. 3) verwendet.

Über das Unternehmen F.R.A.M. aus Leeuwarden ist laut Peter Heck wenig bekannt. Während die meisten anderen Betriebe die Marken vorschriftsmäßig mit Kugelschreiber oder Tintenstrich entwerteten, setzte F.R.A.M. auch eigene Stationsstempel ein. Wie hier (Abb. 4) ein Stempel aus Drachten.

Die Groninger Autobusdienst Onderneming (G-A.D.O. aus Groningen) hat offenbar schon 1950 den Betrieb für Pressesachen, Zeitungen und Pakete aufgenommen. Der Briefausschnitt (Abb. 5) stammt aus der Mitte der 70er Jahre. Das Unternehmen hat auch eigene Umschläge für die Redaktionen herausgegeben, der Preis ist allerdings nicht bekannt, schreibt Heck.

Wie lange der Pressepostdienst in den Niederlanden aufrechterhalten wurde, ist nicht bekannt. Er habe Dokumente aus den späten 70er Jahren mit entsprechenden Marken in seiner Sammlung, sagt Peter Heck. Die Entwicklung in der Kommunikationstechnologie und des Transportwesens (beispielsweise Fahrradkurier in Großstädten) macht solche Angebote mittlerweile vollkommen überflüssig.

Abbildungen: Heck (3), Tatje

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