Von Matthias Weiß

Postkunden und Postangestellte sollen auf einen Blick erkennen, welche
Briefmarke für ein Versandstück gebraucht und bezahlt werden muss.
Postverwaltungen greifen darum weltweit auf eine verständliche Gestaltung
der verausgabten Marken zurück. Ein ovales Feld mit der Wertzahl in der
Markenmitte kommt vor in Dänemark, Island, Norwegen aber auch auf Kreta
oder in Mexiko. Der zweifarbige Druck von Rahmen und Oval der Dänischen
Postverwaltung ist aber etwas Besonderes. Durch den zweistufigen Druck –
erst Rahmen, dann Ziffer – entstehen interessante Variationen, die das
Sammeln speziell dieser Marken lohnend und für die spezialisierte Sammlung
abwechslungsreich macht. Für Briefmarken Dänemarks und der Kolonial-
Ausgaben Dänisch Westindien kam dieses Verfahren zur Anwendung.


Briefmarken Sammelgebiet Dänemark 1870 bis 1905


Scans aus: Svend Magnussen (1974): Om AT Samle Tofarvede; J. Fr. Clausens Forlag, Köbenhavn

  • Die Freimarken (dän.: Postfrimaerke) mit den Nummern 16 bis 31 (AFA-
    Katalog oder Michel-Katalog) wurden für die königlich Dänische
    Postverwaltung im Hochdruckverfahren (Buchdruck) hergestellt und über
    einen Zeitraum von 35 Jahren herausgegeben.
  • Die Wertzahl hebt sich farblos in der Markenmitte aus einem gekrönten
    Farbkreis ab, welcher beiderseits von gebundenen Ähren und unten von
    einem Posthorn eingefasst ist; der Hintergrund ist schraffiert. Ein
    gleichfarbiger Ring mit dünner Randlinie trägt die Beschriftung DANMARK –
    POSTFRIM. – Frankaturwert (2 bis 48 Skilling bzw. 3 bis 100 Öre oder 1-14
    Cent). Das farblich dominierende Mittelstück wird von einem zierlichen und
    farblich meist schlichteren Ornament-Rahmen eingefasst, welcher das
    aufrechte Format der Einzelmarke mit durchgehenden Randlinien aufnimmt.
    Für den Druck von jeweils einem Doppelbogen A+B werden 10×10 + 10×10
    bewegliche Rahmeneinsätze gesetzt, um eine Rahmen- Druckplatte mit
    zweimal 100 Druckfeldern aus den einzelnen Klischees zu bilden. Mit dem
    anschliessenden zweiten Druckvorgang wird das vorgesehene Ziffernoval in
    den Ornamentrahmen eingefügt. In der Dänischen Philatelistischen Literatur
    wird der aufrechte RET Ramme (dt.: Rahmen) vom kopfstehenden OMVENDT
    Ramme abgegrenzt:
  • Die Ausführung der an Ranken erinnernden Ornamente ist in den
    Markenecken der einzelnen Klischees also nicht streng symmetrisch. Deshalb
    variiert die Rahmenausrichtung, wenn ein einzelnes Klischee kopfstehend
    gesetzt oder eine vollständig gesetzte Rahmen- Druckplatte um 180 Grad
    gedreht in die Druckpresse einbaut wird. Jede Drucklegung kann also zufällig
    unterschiedlich verteilte Rahmenstellungen im Bogen der „Zweifarbigen“
    aufweisen; oder alle Marken in einer aufrecht gesetzten Platte stehen Kopf.
    Durch diese Umstände ist manche Marke selten und eine andere häufiger zu
    finden.
  • Zur Unterscheidung eines aufrechten vom kopfstehenden Rahmen richtet
    sich der Blick auf die linke obere (Nord-West) und dann auf die rechte untere
    (Süd-Ost) Markenecke: erinnert die lotrechte Ranke oben links (West-Nord-
    West) an eine 5 und weist eine gedachte Verbindungslinie von zwei „Trauben“
    im waagerechten liegenden Ornament (Nord-Nord-West) aus dem
    Markenbild heraus, dann steht der Rahmen aufrecht. Findet sich im West-
    Nord-West Eck allerdings ein senkrechter mehr geschwungener
    „Notenschlüssel“ und die erwähnte gedachte Linie weist in das Markenbild,
    dann steht der Rahmen Kopf. Bei Unsicherheit wie etwa bei Überlagerung
    durch Stempelfarbe zeigt der aufrechte Rahmen in der Ost-Süd-Ost Ecke ein
    kursiv stehendes f als geschwungenes Ornament und bei kopfstehendem
    Rahmen findet man hier eine kopfstehende 5.
  • Interessant: Einmal fertig montierte Rahmen-Druckplatten A+B kamen in der
    Druckerei beim Druck unterschiedlicher Wertstufen von Skilling- Ausgaben,
    Öre-Marken und Cent- Marken zum Einsatz, sodass die selbe Verteilung der
    Rahmenstellung bei unterschiedlichen Katalognummern resultiert, solange
    diese in dem selben kurzen Zeitraum hergestellt worden sind.
  • Die einzelne Briefmarke wird katalogisiert durch die Kombination aus
    Frankaturwert, Rahmenstellung, Zähnung und Wasserzeichen, Rahmenfarbe/
    Ovalfarbe; hilfreich zur Erkennung der verschiedenen Auflagen kann (bei
    Belegen oder gebrauchten losen Marken) das Stempeldatum sein. Im Michel-
    Katalog wird einer Marke mit „normalem“ aufrecht stehendem Rahmen die
    römische I beigeordnet, während der „kopfstehende“ Rahmen mit II kenntlich
    gemacht wird.
  • Von 1860 bis in das Jahr 1902 wurde durchgehend Papier mit Wasserzeichen
    „große Krone“ benutzt; spätere Auflagen ab Oktober 1902 wurden auf
    Wasserzeichenpapier mit „neuer Krone“ hergestellt; dieses spiegelt sich wider
    in der Katalogisieren Y oder Z. Marken mit „feiner“ Zähnung K14:13½ werden
    mit A erkennbar, die Ausgaben mit „grober“ Zähnung L12½ (Skillingausgabe)
    oder K 12¾ (Öre- und Cent-Marken) mit B versehen. Mit Kleinbuchstaben
    werden Farbunterschiede katalogisiert; im Michel-Katalog wird erst die
    Rahmenfarbe und dann / die Farbe des Ovals genannt.
  • In dieser Systematik finde ich als Beispiel die Marke Mi.-Nr 22 II Y A b im
    Katalog wieder:
  • Auflösung: 3-Öre-Marke mit kopfstehendem Rahmen, Papier mit
    Wasserzeichen „große Krone“, feine Zähnung K14/13½; der Rahmen ist matt-
    blau und das Oval grau. Auf dem hier abgebildeten Beleg ist dies die
    rechte 3 Öre-Marke.
  • Ergänzung: Durch Verschleiss mussten die Rahmen mehrfach ersetzt und in
    Serien (dän.: Hovedgruppe 1-5) neu hergestellt werden. Hiermit
    einhergehende und mit dem Gebrauch veränderte Eigenschaften der
    individuellen Rahmen-Klischees oder Druckabweichungen im Oval können für
    das detaillierte Sammeln dieser Ausgaben, zur Bestimmung der Auflage und
    des Druckfeldes herangezogen werden. Nur selten wurden für einen
    Rahmenbogen Klischees aus älteren mit neueren Hovedgruppen gemischt.
  • Abbildungen Westindien und Dänemark aus der Sammlung Weiß

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